in Vorbereitung:
Der kleine Herr I.


Cover-Grafik: Gabi Merl

2. Band der Herr-I.-Reihe

 wesText-Verlag

114 Seiten, 9,90 €, Paperback, 1. Auflage
Paperback ISBN 978-3-944972-03-9
E-Book (epub ohne DRM) ISBN 978-3-944972-04-6
mit der ISBN erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag: www.wesText.de
und bei Amazon
als E-Book

Schleichender Wahnsinn ...

Eines Tages stand sie neben ihm, die genaue Kopie seiner selbst, nur im Kleinformat, in einem sehr kleinen Format, oder kennen Sie Doppelgänger, die nur etwa kaffeelöffelgroß sind? Ach, ja, es passierte Herrn I. – natürlich, wem sonst? Ihnen und mir geschieht so etwas nicht, ist ja klar – gibt es ja gar nicht … und nun musste unser Held auch noch das Unmögliche, das nicht sein konnte, erklären,denn alle sahenden kleinen Kerl. Hatte er wenigstens Spaß mit seinem kleinen Gefährten? Mitnichten. Nichts als Scherereien verursachte der kleine Herr I., verlangte und forderte, störte und intervenierte. Also loswerden, einsperren, vernichten den kleinen Giftzwerg, aber wie es mit unwirklichen Wesen so ist, sie sind resistent. Also damit leben – bis ein Spiegel die Erlösung bringt. Aber bis dahin ist es noch weiter Weg, der durch viele Abenteuer und nicht zuletzt durch Wanderstedt, der Seelenstadt, führt. Übrigens der einzige Ort auf der ganzen Welt, der ein Hotel für Doppelgänger besitzt ...


Rezension
 

In Angelika Paulys neuestem Fantasy-Buch treffen wir einen alten Bekannten wieder: Herrn I., einen kleinen Büroangestellten, dem bisher schon die merkwürdigsten, unerklärlichsten Dinge passiert sind. Dabei würde er so gerne ein normales Leben führen, mit der Aktentasche ins Büro gehen, sich vorher seine Mohnschnecken kaufen, und abends zu seiner Frau heimkehren. Aber dann geschieht wieder etwas Seltsames, auf einmal hat er einen Doppelgänger, einen winzig kleinen, nicht größer als ein Kaffeelöffel. Dieser Zwerg, genau so gekleidet wie Herr I., mit derselben Aktentasche in der Hand, steht plötzlich neben ihm und begleitet ihn ins Büro. Weicht auch nicht mehr von seiner Seite, geht mit in die Kantine und mit ihm nach Hause. Herr I. wird zum Gespött der Kollegen und der Passanten, die das ungleiche Paar auf der Straße sehen. Nur seine Frau wundert sich nicht besonders, wahrscheinlich hat sie an der Seite ihres Ehegatten schon zu viel Seltsames erlebt. Und so wohnt der kleine Herr I. jetzt auch bei ihnen, schläft in einem Puppenbett, im selben winzigen Pyjama, wie ihn Herr I. trägt. Alle Versuche, den kleinen Doppelgänger loszuwerden, scheitern. Der Chef wirft beide hochkantig hinaus, weil sie den Bürobetrieb stören. Also suchen sie neue Wege, landen beim Zirkus, wo sie für ein paar Tage eine Attraktion werden, aber dann erlischt das Interesse des Publikums wieder. Der Winzling wird für Herrn I. immer lästiger, er bestimmt, wohin sie gehen, was sie essen, gibt einfach keine Ruhe. Herr I. unternimmt immer wieder neue Versuche, ihn verschwinden zu lassen, aber er lässt sich in keine Schublade sperren, lässt sich nicht im Kaffe ertränken oder vergiften. Alles wird immer hoffnungsloser und zugleich absurder. Ein Taxifahrer will ihnen helfen und bringt sie in eine seltsame Stadt, wo die skurrilsten Menschen leben. Manche bestehen nur aus einer Hälfte, dann gibt es Dünne, die mit Schläuchen ernährt werden müssen, oder die Sauger, die besonders gefürchtet sind.

 

Die Sauger

                                                                   saugen an

                                                                   an dir

                                                                   an mir

                                                                   holen die Lebendigkeit heraus

                                                                   die Seele

                                                                   das Schöpferische

                                                                   das Blut

                                                                   die Sauger sind leer

                                                                   so leer

                                                                   innen und außen

 

Sie verlassen diese Stadt wieder, obwohl es dort ein Doppelgängerhotel gibt und Doppelgänger zum Alltag gehören und kehren in ihre normale Welt zurück. Aber auch dort ist nichts mehr normal, ein Abenteuer löst das andere ab. So landen sie einmal in der Wüste, dann lassen sie sich versilbern, verschwinden im Nebel und treffen letztendlich die alten Bekannten  aus den früheren Büchern wieder: Henry, den sanften Irren und Julius, den Physiker. Damit erreicht die Irrealität ihren Höhepunkt, bevor Herr I. von seinem Doppelgänger endlich erlöst wird. Aber wie, wird hier nicht verraten

 
Angelika Paulys Phantasie ist ungebrochen, sie schüttelt die wunderlichsten Gestalten und Geschichten aus ihrem Ärmel und versteht es, den Leser immer wieder zu fesseln und den  eigenen Alltag vergessen zu lassen. Und man frägt sich, wie es mit Herrn I. weitergehen soll, denn für die Normalität ist er einfach nicht geschaffen. Aber Angelika Pauly hat sicher schon wieder neue Ideen, auf die man gespannt sein darf.

 

Christine Michelfeit

 

 

                                                               
 



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