Gestatten, Julius


Geschichten beinahe nur für Physiker und Mathematiker

Kari-Kani, Spezialverlag für handgebundene Bücher, Studen, Schweiz
ISBN -13: 978-3-906863-20-7, 80 Seiten, € 25
1. Oktober 2007

auf 38 Exemplare limitierte, nummerierte,
handsignierte und handgebundene Erstausgabe
Festeinband (Hardcover) mit Leinen überzogen, Zeichenlitze

Das Buch ist im Buchhandel sowie beim Verlag Kari-Kani zu erhalten



Rezension

von Dr. Dr. Christine Michelfeit
Präsidentin der Gesellschaft der Lyrikfreunde, Innsbruck

Angelika Pauly hat schon mit ihrem Buch Herr I. bewiesen, wie vortrefflich sie das Genre der Phantastischen Literatur beherrscht, mit ihrem Julius ist ihr ein weiteres Meisterwerk auf diesem Gebiet gelungen.

Wieder ist es ein unfreiwilliger Held, der die abstrusesten Abenteuer in allen bekannten und unbekannten Dimensionen sucht, doch diesmal ist es kein kleiner Büroangestellter, sondern ein Wissenschaftler, ein Physikgenie, das den Problemen dieser Welt auf den Grund gehen möchte und damit die realen Dinge buchstäblich auf den Kopf stellt.

Die Autorin, die dieses eigenartige Genie erfunden hat, gibt zu, dass sie es selbst kaum kennt und auf die von allen Seiten gestellte Frage: “Wer ist denn nun eigentlich Julius? Was macht ihn aus“ ein Interview mit ihm inszeniert, das aber weder sie noch den Leser weiterbringt, denn schon die erste Frage nach seinem Alter beantwortet Julius kryptisch mit dem Satz:

„Nun, mein Alter liegt irgendwo zwischen Pi und der Entfernung zum Saturn“

Die Autorin versucht es auf andere Weise und frägt erneut:

„Wo bist du geboren und wo hast du Physik studiert?“

Julius: „Geboren bin ich hier in Wuppertal, in einer Sackgasse und studiert habe ich in den Büchern meiner Autorin.“

Das Rätsel um die Person von Julius bleibt also ungelöst, der Leser muss selbst versuchen, es zu entschlüsseln. Und so begleitet er Julius auf seiner Reise durch das Weltall, bewundert seine sensationellen Ideen, mit denen er unter anderem Zeitmaschine und Perpetuum mobile  erfindet oder den Worte(staub)sauger, der einem zum Sprechen gewillten Menschen die Worte vom Mund absaugt und im Müllbeutel entsorgt. Manche Experimente gehen schief, wie der Versuch, die Fallgeschwindigkeit eines Apfels im Fahrstuhl zu errechnen oder durch Einfrieren in einer Eismaschine „Teil des Raumes“ zu werden, andere wieder gelingen, wie die Aufhebung der Schwerkraft oder die Isolierung der Zeit. Julius, das „Spielkind“ ist nicht nur ein Physik- sondern auch ein Mathematikgenie, wird aber leider, wie alle Genies nicht ganz ernst genommen, zumindest nicht von seinem Freund Bert, dem Journalisten, mit dem er sich wortgewandt die köstlichsten Dialoge liefert.

Und wie gehen alle diese unglaublichen Geschichten aus? Julius wird zu seinem eigenen Schmelzpunkt und explodiert zusammen mit unserem Planeten, um im Weltall herumzukreisen. Doch vielleicht kommt er eines Tages unter anderem Namen wieder, um erneut zu versuchen, die Grenzen der Naturwissenschaften zu sprengen.  

Es bedarf schon einer außergewöhnlichen Phantasie, diesen Julius zu erfinden und mit ihm eine Gedankenwelt aufzubauen, die auch ein großes Wissen an Physik voraussetzt, das an der Autorin nur bewundert werden kann. Die Abenteuer sind zwar obskur, der Sprachduktus von Angelika Pauly aber klar und auch für den Laien verständlich. In unserer nüchternen Welt kann ein Ausflug in die Welt des Unwahrscheinlichen dem Leser nur empfohlen werden, zumal das 78 Seiten umfassende Büchlein in seiner handgebundenen Ausführung und der besonders ausgesuchten Schriftart ein bibliophiles Kleinod darstellt.

 



Rezension

von Dr. Andrea Herrmann, Physikerin
Herausgeberin der Literatur-Zeitschrift "Veilchen"

Julius ist ein verspielter querdenkender Physiker und mit ihm erlebt der Leser/die Leserin allerlei wunderliche Abenteuer in der Welt der Physik. Nicht selten wird dabei das Labor mit seinen perfekten Apparaturen verlassen und auch in den Alltag der Menschen kunterbuntes Durcheinander getragen. Angelika Pauly hat physikalische Gedankenspielereien konsequent zu Ende gedacht. Was wäre wenn...?
Zeit und Raum sind ganz zentrale Themen. Denn den Raum kann man krümmen und falten, die Zeit ist auch nur eine vierte Dimension des Raumes. So anschaulich und anfassbar wurden diese physikalischen Behauptungen für den Normalbürger bisher noch nie. Julius macht es möglich in 28 verrückten Experimenten. Ihm gelingt, was zuvor nie wahr wurde, und vermutlich nie mehr danach. (Don't try this at home!)
Schade ist ein wenig, dass Julius kein richtiger Mensch ist, sondern eher eine Comicfigur. Ihm fehlt es an Biografie und emotionaler Tiefe. Wir erfahren nur, dass er in seinem Labor wohnt und sein einziger Freund - der Journalist Bert - vor allem auf der Suche nach der Jahrhunderstory, immer wieder dort vorbei sieht, Julius' gedankliche Höhenflüge zu verstehen versucht oder stirnrunzelnd eine Apparatur bedient.
Auf jeden Fall ist dieses Buch lustig und unterhaltsam. Und man muß die Relativitätstheorie nicht vor dem Lesen schon verstanden haben, um sich zu amüsieren.
Dieses von Hand gebundene Buch eignet sich auch sehr gut als Geschenk.

Über den Verlag: Die Handbuchbinderei kari-kani wurde 2002 von Stefan Krebs gegründet. In der Hauptsache werden Kundenaufträge (Einzelexemplare, Kleinauflagen, Restaurationen) durchgeführt. Zusätzlich werden in Sonderprojekten neue, talentierte Autorinnen und Autoren unterstützt und einem größeren Publikum vorgestellt. Dieses hier vorliegende Buch ist Resultat eines solchen Projektes.

Die Gschichte aus diesem Buch: "Wir sind Gott" ist Preiträger beim Literaturwettbewerb:
"Die Literatouren 2007-2008 Kosmopolitania SaarLorLux II"
der Literatur-Zeitschrift "Die Brücke"
(Forum für antirassistische Politik und Kultur)
Sepetmber 2008

Die Geschichte aus diesem Buch: "Das Naturgen" ist Preisträger beim Literaturwettbewerb
"Kosmopolitania SaarLorLux"
der Zeitschrift "Die Brücke"
(Forum für antirassistische Politik und Kultur)
Juli 2006


zurück zu den Büchern von Angelika Pauly