Henry, der sanfte Irre

Henry, der sanfte Irre
Erzählung

Hierreth Verlag
Cover: Gabriela Rosemarie Utz
107 Seiten, 9,90 €
ISBN: 978-3-941455-06-1, April 2009


Geschichten aus der Psychiatrie
Henry, Patient einer Psychiatrie, ist dem Physiker Julius immer einen Schritt voraus.
Ob es um die Entdeckung von sichtbar gemachten Zeitmolekülen geht oder um parallele
Welten - Henry versetzt den Leser Schritt für Schritt in größeres Staunen. Sprechende
Pflanzen, Zeitreisen und grüne Beinlinge - Realität oder Fiktion? Als Henry die
Psychiatrie verlässt erlangt er hohes Ansehen und unglaublichen Reichtum.
Oder nicht?

REZENSION
von Dr. Dr. Christine Michelfeit
Präsidentin der Gesellschaft der Lyrikfreunde, Innsbruck

Eigentlich ist Henry, Angelika Paulys jüngster Protagonist, ein beneidenswerter, glücklicher 
Mensch. Er lebt zwar in der Psychiatrie, weil die Menschen ihn für leicht verrückt halten, genießt 
hier aber alle Freiheiten, die er braucht, um seine Ideen auszuspinnen. So nimmt er sich Freigang, 
wann immer er will, geht einkaufen, unterhält sich mit den Menschen „draußen“ und kehrt dann 
zufrieden wieder in sein Zimmer zurück, bestens  betreut von Pflegern, Schwestern und Psychoärzten. 
Er sieht Dinge, die andere nicht sehen, wie zum Beispiel die Spinnen in seinem Kopf, er kann 
Buchstaben in Musik umsetzen und sie auf dem Keyboard spielen oder sich selbst in Eis verwandeln. 
Als er sich aber den Zugang  zur fünften Dimension“ verschaffen will, trifft er unerwartet auf einen 
Konkurrenten, Herrn I., einen alten Bekannten aus Angelika Pauly früheren Büchern. Die „fünfte 
Dimension“
bleibt weiter unerreicht, Herrn I., ergeht es nicht anders als Henry, er wird mit Antipsychiotika 
ruhig gestellt, während einem anderen Genie, Julius, der Durchbruch  zum Nobelpreis gelingt.  

Henry, von Beruf Steinschlepper und keineswegs vorgebildet, ist aber nicht nur ein grandioser Erfinder, 
er überrascht auch auf anderen Gebieten immer wieder, so mit den Gedanken, die er sich über den 
Zeitbegriff macht. Denn auf die Frage des Arztes, was Zeit für ihn bedeute, antwortet er sehr vernünftig:

„Sie gibt mir alles. Geborgenheit, weil sie stetig und immer da ist.
Zuversicht, weil alles Schlechte und Böse mit ihrem Lauf verschwindet.
Hoffnung, weil sie vorwärts geht….

Eines Tages verlässt Henry heimlich die Psychiatrie und wird auf irgendeine Weise „draußen“ in der 
Welt ein reicher und berühmter Geschäftsmann, doch nur so lange,  bis er wieder beginnt, Dinge zu 
sehen, die andere nicht sehen. Und alles beginnt  nochmals von vorne.

 Angelika Pauly besitzt ein unerschöpfliches Füllhorn an Phantasie, jede ihrer köstlichen und 
einfallsreichen Geschichten macht Neugier auf die nächste, bis sich am Ende wie beim Puzzlespiel 
das Bild ihres jeweiligen Helden ergibt. So lernte man erst Herrn I., dann Julius, das Genie, und in 
diesem Buch Henry, den sanften Irren kennen und lieben. Ob Henry nun wirklich verrückt oder 
ein Genie besonderer Art ist, muss der Leser selbst entscheiden, und um die richtige Antwort zu 
finden, wird er dieses auf seine Art äußerst amüsante Buch sicher öfters zur Hand nehmen. 
Es lohnt sich!

Rezension von Rosi Dombach:
Wie irre ist Henry eigentlich? Und braucht er tatsächlich die Unmengen an
Psychopharmaka, die ihm in der Klinik mit (un-)schöner Regelmäßigkeit
verabreicht werden?
Diese Frage stellt sich dem Leser von Angelika Paulys Buch nicht nur
einmal.
In ihren Geschichten über Henry eröffnet sie uns, mal witzig, skurril,
surreal, dann wieder anrührend, die Gedankenwelt eines liebenswerten
Sonderlings, seine Fantasien, Beobachtungen und Entdeckungen.
Dabei werden letztere durchaus anerkannt und sogar mit dem Nobelpreis
belohnt, doch nicht Henry, sondern der Physiker Julius, der zur selben
Zeit dieselben Überlegungen anstellt wie der Psychiatriepatient, erntet
Ruhm und Ehre. Henry dagegen bekommt eine Beruhigungsspritze ...
Ich habe Angelika Paulys Buch mit Genuss gelesen und ihren Protagonisten
sofort ins Herz geschlossen.
Vielleicht ist Henry ja verrückt und es gibt weder Zeitmoleküle noch
wurzelbeinige Grünlinge, aber auf jeden Fall sind er und seine Geschichten
eines nicht: Normal im Sinne von alltäglich, gewöhnlich und langweilig.



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