Der Märchenhüter
Der Märchenhüter

Märchenbuch, 2. Auflage, 4. Dezember 2010
CODI Verlag, ISBN 978-3-942312-11-0
127 Seiten, 9,95 €
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REZENSION

von Frau Dr. Dr. Christine Michelfeit
Präsidentin der Gesellschaft der Lyrikfreunde, Innsbruck

 
Der Märchenhüter hat eine ganz besondere Aufgabe: Er rettet und bewahrt Märchen und kümmert sich darum, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Er weiß, wie es in manchem Kinderzimmer aussieht, die Märchenbücher liegen in irgendeiner Ecke, oft vom vielen Lesen zerrissen, mit umgebogenen Ecken oder fehlendem Schluss. Und so zieht er von Haus zu Haus, sieht sich die Bescherung an, repariert was noch zu reparieren ist und fügt selbst noch ein paar Märchen dazu. Denn sein Vorrat ist unerschöpflich und 
die Kinder können auch nicht genug bekommen von seinen Geschichten.

Und so zieht der Märchenhüter mit seinen kleinen Lesern durch eine abwechslungsreiche Wunderwelt, die sie zum Teil aus Angelika Paulys früheren Büchern schon kennen. Und wieder ist es der kleine Wurzelzwerg, der so manche bedrohliche Situation rettet, krank gewordenen Tieren hilft oder den zerbrochenen Weihnachtsengel zusammenleimt. Emilia spielt noch immer in ihrem Sandkasten und wundert sich, dass sie auf einmal die Sprache der Tiere verstehen kann und auch mit den Wichtemännern Karlchen, Paul und Seppl gibt es ein Wiedersehen. Zu ihnen gesellen sich viele neue Figuren, wie das Angstmännchen, das dem kleinen Julian die Angst vor der Schule nimmt oder das Uhrenmännchen, das aufpasst, dass die Zeit richtig vergeht. Mit der  Zeit ist es überhaupt so eine Sache, sie spielt zwar in Märchen im Allgemeinen keine Rolle, weil Märchen zeitlos sind, aber Angelika Paulys Märchen machen da eine Ausnahme, sie gehören zwar oft der Gegenwart an, verzaubern diese doch wieder in ein Märchen. So erging es auch dem Gesternkind, das immer zu spät kam, dann sogar einen ganzen Tag verschlief und von da an im Gestern lebte, bis auch ihm ein Männchen, diesmal das Zeitmännchen half und es in die Gegenwart zurückführte. Und so wie der kleinen Julie ein Tag entgangen war, erging es anderen Kindern, denen wiederum eine Zahl verloren ging. Auf einmal war die Fünf in der Mathematikstunde verschwunden, aber nicht nur in der Mathematikstunde, sie verschwand auch aus den Geschäften und aus dem Leben der Menschen, bis ein kleiner Junge sie im Sand wiederfand. So konnte die alte Ordnung wiederhergestellt werden und alles lief weiter wie vorher.
Angelika Paulys Märchen und Geschichten sind so originell und phantasiereich, dass man auch als erwachsener Leser das Buch nicht aus der Hand gibt, bevor man es zu Ende gelesen hat. Und manchmal spürt man, ganz heimlich und zwischen den Zeilen, auch ein wenig Kritik an unserer Gegenwart. Aber genaueres darüber weiß nur er, unser Freund, der Märchenhüter.


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