Paulys Stadtgespräche

Paulys Stadtgespräche
Erzählung,
Hierreth Verlag, Goldbach, ISBN: 978-3-941455-26-9, 2. Auflage
152 Seiten, 9,90 €,
Oktober 2010
Cover: Angelika Pauly

Was hält die Welt zusammen? Sind es die unentdeckten Gravitonen, 
die klebrigen Gluonen oder doch das Urmenschlichste: die Nächstenliebe? 
Ist Zeit nichts anderes als weißer oder schwarzer Staub, der aus einer Uhr rieselt? 
Woran ist die Seele eines Menschen befestigt? 
Dieser Frage gehen die Leute aus diesem Buch vergnüglich und ernsthaft nach: 
Der Alte, der auf einer Pappschachtel auf dem Marktplatz sitzt, den Händlern 
Brötchen stibitzt und von dem keiner weiß, ob er nun ein Philosoph oder ein 
Pennbruder ist – Julius, der Physiker, das halbe Genie mit seinen abstrusen 
Ideen und Bert, sein Freund, der sich besser aufs Pizza essen versteht als aufs 
Nachdenken oder Herr I. in seiner Zwischenwelt … und vielleicht du und ich, 
wenn wir nachts in den Sternenhimmel schauen – 
dann hat das Buch erreicht, was es wollte.

Die Geschichte aus diesem Buch: "Was die Welt zusammenhält"
erhielt im Juli 2008 den 1. Preis beim Literatur-Wettbwerb:
"Von den fünf Sinnen", Sparte Prosa,
der Autoren-Plattform Manni Wrobel


REZENSION

von Dr. Dr. Christine Michelfeit
Präsidentin der Gesellschaft der Lyrikfreunde, Innsbruck

Angelika Paulys Fantasy-Bücher kennen keine Grenzen - die Realität wird in ihnen aufgehoben, verschwindet im Nichts und kehrt wieder, so wie die aus ihren früheren Büchern bekannten Helden: Julius und Herr I. Zu ihnen gesellt sich eine weitere geheimnisvolle Person, ein Philosoph im Pennergewand. Tagsüber sitzt er auf einem Pappkarton, stellt den Menschen Fragen, beantwortet Fragen, abends kehrt er zurück in sein Domizil in der Unterführung, um am Morgen wieder aufzutauchen. Jeder kennt ihn, er ist einfach

Der Alte

Siehst du den Alten?
Dort geht er!
Die Zeit
hat sich in seinem Haar verfangen.
Den Wind
trägt er in seinen Manteltaschen

………

Siehst du den Alten?
Dort wartet er!
Die Antworten
will er dir geben
Das Wissen
ist sein Leben….

Aber er ist nicht nur ein weiser Mann, sondern auch ein Zauberkünstler, der ziemlich viel Verwirrung in seine kleine Stadt bringt. So schenkt er mit diabolischer Freude einem jungen Mann ein schwarzes Etwas, das die Zeit darstellen soll und stellt damit die Zeit selbst auf den Kopf. Sie läuft rückwärts statt vorwärts, kann nur durch ein Stückchen weißes Etwas wieder  in ihre alte Bahn gebracht werden. Aber niemand ist dem Alten böse, er ist auch in keiner Weise fassbar. Als ein neues Gesetz die Stadtstreicherei verbietet und die Polizei versucht, hinter den geheimnisvollen Unterschlupf des Alten zu kommen, führt er die Beamten mit Geschichten an der Nase herum, verschwindet, um am nächsten Tag wieder glücklich auf seinem Pappkarton zu sitzen. Zur Freude aller Passanten und Marktleute.

Auch Julius, das halbe oder ganze Genie ist nach seinem Verschwinden im Weltall wiedergekehrt und versucht gemeinsam mit Freund Bert die Zusammensetzung der Welt durch physikalische Experimente zu ergründen, um endlich den Nobelpreis zu gewinnen.

Vergebens, er bleibt  eben doch nur ein halbes Genie, mit einer besonderen Vorliebe für das Dunkle. Er glaubt, dass die dunkle Energie das Weltall zerbrechen wird und vor lauter Berechnungen der Dunkelheit wird er selbst immer schwärzer, bis er nicht mehr gesehen und für tot gehalten wird.

Auch der schon bekannte Herr I. greift wieder zu seiner Aktentasche und Thermosflasche um ins Büro zu gehen und natürlich erlebt er da neue Überraschungen, deren Ausgang geheimnisvoll bleibt.

Nach den Ausflügen in die Welt der Physik und Mathematik kehrt die Autorin zurück in den Alltag, zurück auf den Marktplatz der kleinen Stadt und lässt den ALTEN seine STADTGESPRÄCHE weiterführen. Und seine Fragen über das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele geben auch dem Leser Gelegenheit, nachzudenken und nach Antworten zu suchen. Hat der ALTE wirklich Recht?

Angelika Paulys  Bücher tragen einen eigenen Stempel, sie führen unmittelbar hinein in das Gebiet der Phantastischen Literatur und bleiben doch verständnisvoll, amüsant und vielleicht auch etwas lehrreich. Denn wer kennt sich schon mit Gravitonen und Protonen aus? Man schlage nach: Julius, das Genie, gibt gerne Auskunft!

Christine Michelfeit


zurück zu den Büchern von Angelika Pauly